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Leben wir in der Endzeit?

Aufgewacht in einer anderen Welt

Als wir alle am Donnerstag, 24.2.22 aufwachten, war unsere Welt plötzlich eine andere. Jeder, der die Zeiten von Despoten und Diktatoren für längst überwunden hielt, wurde bitter enttäuscht. Mitten in Europa herrscht wieder Krieg und das keine 800 km vor den Grenzen unseres Landes. Erst Corona, dann Krieg. Was kommt als Nächstes? Kommt unsere Welt denn nie zur Ruhe? Wie kommen unsere Seelen zur Ruhe, wenn eine schlechte Nachricht bereits die nächste überholt und überrollt? Ein Freund fragte mich gestern, ob wir in der Endzeit leben. Und genau diese apokalyptischen Vorahnungen steigen in vielen Menschen aktuell auf, wenn sie unsere Welt beobachten.

Ist das die Endzeit?

Wenn es nach den vielen Weltuntergangspropheten aus dem Internet geht, dann wissen die anscheinend immer ganz genau, was die Weltuhr anzeigt – sie steht auf 5 vor 12. Diese Propheten scannen die Weltereignisse nach sog. „Zeichen der Endzeit“ ab, und wenn für sie ein „bestimmtes Maß“ erreicht ist (und dieses Maß definieren sie immer selbst!), dann steht das Weltende direkt vor der Tür. Und natürlich herrscht in Tagen wie diesen eine Hochkonjunktur solcher Endzeitpropheten.

Was sagt die Bibel dazu?

Was sagt denn die Bibel zum Ende der Welt? Gibt es so etwas wie einen „biblischen Fahrplan für die Zukunft“? Gibt es diese eindeutigen „Zeichen“ der Zeit, die das Weltende ankündigen?

Die Bibel spricht tatsächlich davon, dass diese Weltordnung nicht für immer bestehen bleibt. Jesus kommt wieder! Aber diesmal nicht als kleines Baby und Retter, sondern als König und Richter einer neuen Welt.

Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr. Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann. Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden seine Völker sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein… Offb. 21,1-3

Wann wird das sein? Diese Frage hat auch schon die ersten Christen (die Jünger) umtrieben. Kurz vor seiner Heimkehr zum Vater, wird Jesus von seinen Freunden gefragt:

Herr, wirst du in dieser Zeit wieder aufrichten das Reich für Israel? Er sprach aber zu ihnen: Es gebührt euch nicht, Zeit oder Stunde zu wissen, die der Vater in seiner Macht bestimmt hat; aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde.
Apg. 1,6-8

Jesus läßt seine Gemeinde nicht mit einem Endzeitplan, sondern mit einem Missionsplan zurück. Seine Antwort an die Jünger ist sogar noch krasser: Kümmert euch nicht um Termine, die setzt allein mein Vater, kümmert euch voll und ganz um eure Mission!

Woher kommen dann aber die vielen apokalyptischen Erwartungen?

Die Bibel (Jesus) spricht tatsächlich auch über die „Zeichen seiner Ankunft“ oder über den „Tag des Herrn“ (damit ist die Wiederkunft von Jesus gemeint). Allerdings unterscheidet sich die Perspektive der Bibel von der der Endzeitpropheten. Der „letzte Tag“ ist laut der Bibel bereits mit dem Tod und Auferstehung Jesu angebrochen. D.h., dass wir uns seit dem Erlösungswerk Jesu vor 2000 Jahren bereits in der echten Endzeit befinden. Und diese gesamte Endzeit (= die Zeit zwischen der Auferstehung und der Wiederkunft Jesu in Herrlichkeit) wird gekennzeichnet sein von den sog. „Wehen der Endzeit“. Darüber spricht Jesus in Matt. 24,3-14:

Und als er auf dem Ölberg saß, traten seine Jünger zu ihm und sprachen, als sie allein waren: Sage uns, wann wird das geschehen? Und was wird das Zeichen sein für dein Kommen und für das Ende der Welt? Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: Seht zu, dass euch nicht jemand verführe. Denn es werden viele kommen unter meinem Namen und sagen: Ich bin der Christus, und sie werden viele verführen. Ihr werdet hören von Kriegen und Kriegsgeschrei; seht zu und erschreckt nicht. Denn es muss geschehen. Aber es ist noch nicht das Ende. Denn es wird sich ein Volk gegen das andere erheben und ein Königreich gegen das andere; und es werden Hungersnöte sein und Erdbeben hier und dort. Das alles aber ist der Anfang der Wehen. Dann werden sie euch der Bedrängnis überantworten und euch töten. Und ihr werdet gehasst werden um meines Namens willen von allen Völkern. Dann werden viele zu Fall kommen und werden sich untereinander verraten und sich untereinander hassen. Und es werden sich viele falsche Propheten erheben und werden viele verführen. Und weil die Missachtung des Gesetzes überhandnehmen wird, wird die Liebe in vielen erkalten. Wer aber beharrt bis ans Ende, der wird selig. Und es wird gepredigt werden dies Evangelium vom Reich in der ganzen Welt zum Zeugnis für alle Völker, und dann wird das Ende kommen.

Diese „Wehen der Endzeit“ erlebt jede Generation nun bereits seit über 2 Jahrtausenden auf ihre einzigartige Weise. In jeder Generation gibt es (irgendwo) Krieg, Not, Verfolgung, Verführung und viele geben mittendrin auf, weil ihre Liebe zu Gott und Menschen erkaltet. All das erleben wir auch heute im jungen und doch schon krisengeschüttelten 21. Jahrhundert (aber nenne mir ein Jahrhundert oder Jahrzehnt ohne Krisen!). Befinden wir uns also in der Endzeit? Natürlich ja – weil wir zwischen der Himmelfahrt und der Wiederkunft Jesu leben! Jesus kann heute oder morgen wiederkommen und keiner und nichts steht Ihm im Weg. Und angesichts einer solchen Hoffnung beten die Kinder Gottes seit Generationen und in allen Nationen voller Freude und Erwartung das Gebet aus Offb. 22,20: Komm, Herr Jesus!

Das ist biblische Eschatologie (die Lehre über die Endzeit). Für die heutigen Endzeitpropheten ist die Endzeit lediglich so etwas wie ein kurzer, klimaktischer Endspurt in der letzten Epoche der Menschheitsgeschichte. Sie interpretieren daher immer die Kriege, Katastrophen und Konflikte aus ihrer erlebten Geschichte als die größten, tragischsten, endgültigsten des gesamten Weltgeschehens. Aus ihrer Perspektive muss das die Endzeit sein. Daher schrecken einige von ihnen noch nicht einmal davor zurück, konkrete Termine für ein solches Weltende zu setzen. Ich selber habe inzwischen mindesten 20 solcher Termine gehört (und überlebt 🙂 ). Ihre Perspektive ist in der Regel düster, ihre Stimmung beängstigend und ihre Visionen wenig hoffnungsvoll.

Mir gefällt da das biblische Bild von der Zukunft und die hoffnungsvolle Erwartung bei weitem besser:

Von den Zeiten aber und Stunden, Brüder und Schwestern, ist es nicht nötig, euch zu schreiben; denn ihr selbst wisst genau, dass der Tag des Herrn kommt wie ein Dieb in der Nacht. … So lasst uns nun nicht schlafen wie die andern, sondern lasst uns wachen und nüchtern sein. Denn die da schlafen, die schlafen des Nachts, und die da betrunken sind, die sind des Nachts betrunken. Wir aber, die wir Kinder des Tages sind, wollen nüchtern sein, angetan mit dem Panzer des Glaubens und der Liebe und mit dem Helm der Hoffnung auf das Heil. Denn Gott hat uns nicht bestimmt zum Zorn, sondern dazu, die Rettung zu besitzen durch unsern Herrn Jesus Christus, der für uns gestorben ist, damit, ob wir wachen oder schlafen, wir zugleich mit ihm leben. Darum tröstet euch untereinander und einer erbaue den andern, wie ihr auch tut. 1Thess. 5,1-11

Zum Thema Endzeit habe ich zwei Predigten gehalten, die dir bestimmt zu dem Thema auch noch weiterhelfen werden.

Jacob Wiebe